Die evangelische Kirche in Remscheid-Lennep plant aus einer Friedhofserweiterungsfläche, in einem beschleunigten Verfahren Bauland für betreutes Wohnen zu machen.
Aus diesen Plänen geht hervor, dass auf dem Gebiet 6 Wohnblöcke für Betreutes Wohnen sowie weitere Wohnhäuser mit entsprechender Zufahrtsstraße entstehen sollen.
In der örtlichen Presse, dem RGA sowie der Bergischen Morgenpost war bereits zu lesen, dass dies ein makaberer Plan sei, da man vom Betreuten Wohnen aus den Blick
auf den Friedhof habe und zudem den Anwohnern der angrenzenden Straße durch die Hanglage die Mehrstöckigen Häuser direkt im Sichtfeld stehen werden.
Bei der Recherche zu dem betroffenen Gebiet, fanden sich jedoch viel wichtigere Fragen zu Umweltaspekten und dem sogenannten beschleunigten Verfahren.
In diesem "beschleunigten Verfahren" wird insbesondere auf die Prüfung im UVPG also die Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet.
Dies verwundert umso mehr, da in der Analysekarte der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten des Landes Nordrhein Westfalen, die betroffene Fläche als Städtisches Biotop Nr. BK-4809-647 ausweist.
In einem stadtökologischen Fachbeitrag (Seitenzahl 57-59, bzw.PDF Seite 60-62) der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten des Landes Nordrhein Westfalen, wird besonders für die ausgewiesene Fläche auf folgende Punkte verwiesen: Dem Freiraum kommt auf Grund seiner Lage und der hohen Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet eine besondere Bedeutung für das Naturleben zu. Aufgrund dessen werden dort folgende Maßnahmenempfehlungen gegeben: Anpflanzung großer Schatten spendender Bäume, Entsiegelung von Wegen prüfen, Anbringen von Nistkästen (Vögel, Fledermäuse, Insekten).
Insbesondere diesen Empfehlungen sollte besser gefolgt werden, da es sich bei den dort lebenden Fledermäusen und Feldhasen, um gefährdete Tierarten in Remscheid handelt. Deren Lebensraum wird hier entgegen der Initiative der Bundesregierung, Stadt Natur/Natur Stadt, mit welcher der Bund für Naturschutz den Flächenverbrauch für Baumaßnahmen senken will und den Erhalt von Grünflächen wie z.B. Friedhofsflächen intensiv fordert, willkürlich zerstört!
Die ev. Kirche als Grundstückseigentümer sollte sich vielleicht auf die eigenen Ansichten, welche sie in einer eigenen Umwelterklärung verfasst hat, besinnen.
Der Antrag auf das beschleunigte Verfahren verwundert in diesem Falle sehr, ebenso die kurzfristigen Termine. Diese wurden wie folgt gelegt:
Bauausschuss, Dienstag 20.11.2007 . Dieser hat gestern den Antrag mit dem Hinweis auf Bürgerbeteiligung und dann gar noch mit dem Zusatz, die Verwaltung möge eine Bebauung mit Einfamilienhäusern mit einplanen, abgesegnet. Umweltfragen wurden nicht gestellt!
Als nächstes tagte der Hauptausschuss, Donnerstag 22.11.2007 17.00 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Remscheider Rathauses. Dort wurde der Antrag trotz Hinweis der WIR Partei auf die Biotopfläche abgesegnet.
(siehe Beschlussvorlage im Anhang) Leider wurde der Umweltausschuss nicht mit der Prüfung beauftragt. Die Vorsitzende dieses Ausschusses fragt gar in der Sitzung noch, wie denn Herr Gühne von der WIR darauf käme, dass es sich um ein Biotop handele. Die Antwort hat sie leider dann nicht abgewartet.
Folgende Fragen bleiben bisher unbeantwortet:
1. Steht eine etwaige Bebauung im Widerspruch zu den Zielen des Biotop- und Artenschutzes im Siedlungsraum?
Die beantragte Fläche ist als Biotopkatasterfläche BK-4809-647 ausgewiesen!
Sie verfügt über einen beträchtlichen Bestand an Fledermäusen, seltenen heimischen Singvögeln und Feldhasen.
2. Weshalb kann ein beschleunigtes Verfahren beantragt werden, welches eine Prüfung der Verträglichkeit für die Umwelt ausschließt.
3. Ist eine Umnutzung zur Bebauung im Rahmen der Förderung und des Erhalts innerstädtischer Grünflächen zu vertreten?
4. Ist eine etwaige Umnutzung im Hinblick auf die Notwendigkeit der Vorhaltung ausreichender Friedhofserweiterungsflächen im Bereich des Stadtteils Lennep im Rahmen der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben zulässig?
5. Wie soll im Falle einer positiven Bescheidung eine zu erwartende Überlastung des Kanalsystems (Abwasserkanäle im Bereich Brehmstraße) vermieden werden?
Aus den vorliegenden Plänen geht hervor, dass das Gebiet nahezu vollständig bebaut werden soll. Mit der Verwirklichung dieser Pläne würde Lennep die letzte größere freie Grünfläche im Stadtmittelpunkt verlieren, zahlreiche Tierarten verlieren ihren Lebensraum. Die Friedhofsfläche, die auch als Erholungsfläche dient, würde um fast die Hälfte reduziert. Die Anwohner der beplanten Flächen wehren sich gegen die Umwidmung der Friedhofsfläche und regen an, diese Fläche als Ergänzung zum derzeit genutzten Friedhof zu erhalten.